Warum machen wir Aktionshefte?

Gespeichert von Christian Büttner am Mi., 17.03.2021 - 21:32

Der Friede ist Bedingung des wissenschaftlich-technischen Zeitalters, aber es gibt keinen Frieden ohne soziale Gerechtigkeit. Dem steht heute entgegen: Selbst der Minimal¬friede des bloßen Schweigens der Waffen ist dauernd gefährdet und an mehreren Stellen der Erde wird er immer wieder durchbrochen. Soziale Gerechtigkeit gibt es auch in den industrialisierten Ländern nur in unzulänglichem Maße. Dabei wächst die soziale Kluft zwischen den reichen Industriestaaten und den nach Gerechtigkeit hungernden Ländern der Dritten Welt ständig.

In dieser Lage bedarf es der Darstellung dieser Mißstände und ihrer Ursachen. Die Aktionshefte werden unter der Zuständigkeit von Heinz Kloppenburg einen Schwerpunkt bei den Informationen über die Dritte Welt setzen. Im übrigen wissen sich die Herausge¬ber in ihrem Streben nach kritischer Analyse, Zeitschriften wie GEWERKSCHAFTLICHE MONATSHEFTE, WERKHEFTE, FUTURUM, JUNGE KIRCHE und INFO (Pax Christi) verbunden. Die Vierteljahreshefte wollen nicht in Konkurrenz zu diesen Zeitschriften treten, sondern immer wieder auch von deren Informationen und Analysen ausgehend untersuchen, mit welchen Methoden die bestehenden Konflikte auszutragen sind — ohne daß im Ringen um soziale Gerechtigkeit sich die Lage noch verschlimmert.

Die Herausgeber gehen von der Hypothese aus, daß die gewaltfreie Aktion sich be¬sonders eignet, Friede und Gerechtigkeit in kämpferischem Einsatz zu erzielen. Sie be¬haupten, daß die Kampfkraft der gewaltfreien Aktion bislang unterschätzt wurde, da ihre Methoden, ihre sozialen und organisatorischen Voraussetzungen und ihre Strategie weitgehend unbekannt waren.

Die Aktionshefte sollen für gewaltfreie Kampagnen Hintergrundinformationen be¬reitstellen, die experimentelle Anwendung gewaltfreier Methoden fördern und deren Er¬gebnisse kritisch untersuchen.

Die Herausgeber werden bei dieser Arbeit vom deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes unterstützt, dessen Mitglieder in der Orientierung an der Lehre Jesu Christi eine existentielle Vorentscheidung für die Gewaltfreiheit getroffen haben. Die Vierteljahreshefte gehen von der Vermutung aus, daß die Bereitschaft zur Versöhnung und zur kämpferischen gewaltfreien Aktion zusammengehören wie die beiden Seiten einer Münze.

Im wissenschaftlich-technischen Zeitalter bedarf das Engagement für Frieden und Ge¬rechtigkeit auch der sozialwissenschaftlichen Vorbereitung und Kontrolle. Aus diesem Grunde werden die Aktionshefte stärker die wissenschaftliche Diskussion berücksichtigen müssen als andere traditionelle pazifistische Zeitschriften. Wir glauben aber, diese Un¬bequemlichkeit unseren Lesern nicht ersparen zu können, weil das gewaltfreie Engagement nicht nur der moralischen, sondern auch der intellektuellen Anstrengung bedarf.

Die Aktionshefte wollen eine Relaisstation sein zwischen der Friedens- und Konflikt¬forschung und den engagierten Praktikern. Ihre Artikel und Informationen richten sich an diejenigen Gruppen und Organisationen, die mit gewaltfreien direkten Aktionen sich für eine partizipierende soziale Demokratie in der Bundesrepublik einsetzen oder sich auf die Beseitigung der Ungerechtigkeit in und gegenüber der Dritten Welt konzentrieren. Besondere Aufmerksamkeit wird auch der Arbeit von Amnesty International bei der Be¬treuung politischer Gefangener gelten. Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen und Ersatzdienstleistende sollen in den Vierteljahresheften verläßliche Informationen und Anregungen für ein eigenes politisches Konzept finden.

Einen Schwerpunkt wird die Zeitschrift bei der Erörterung der Möglichkeiten des zivi¬len Widerstandes gegen Aggressionen und Staatsstreiche bilden, da hier die gewaltfreie Aktion eine epochemachende demokratische Alternative zum internationalen Drohsystem darzustellen scheint. Im Zusammenhang mit diesem Konzept der Sozialen Verteidigung als Form demokratischer Sicherheitspolitik sollen auch die aktuellen Probleme der Rüstung und Abrüstung und die globalen Aspekte der friedlichen Koexistenz erörtert werden. Da die Möglichkeiten der sozialen Verteidigung in den skandinavischen Ländern, Öster¬reich, England, den USA und den Niederlanden schon geprüft werden und uns die Ent¬wicklung dieser Diskussion für die Bundesrepublik von Bedeutung zu sein scheint, wer¬den wir über sie regelmäßig informieren.

Der Leserkreis der Aktionshefte wird als Grundstock die Mitglieder des Versöhnungs¬bundes haben. Sie erhalten die Vierteljahreshefte an Stelle des Jahrbuches „Versöhnung und Friede", dessen Arbeit ohne Bruch in Stil oder Inhalt in den Aktionsheften fortge¬setzt werden wird. Wir erhoffen aus den Kreisen der Friedens- und Konfliktforscher, der christlichen Friedensdienste, der außerparlamentarischen Aktionsgruppen, der Mitarbeiter von Amnesty International, der Kriegsdienstverweigerer und Ersatzdienstleistenden Abonnenten zu erhalten.

Hierbei sind wir auch auf die Werbung unserer Leser angewiesen. Sie können zu¬sätzliche Exemplare der ersten Nummer zu einem Werbepreis von DM 1,— und Porto beziehen oder der Redaktion auch die Adressen ernsthafter Interessenten nennen.

Die Redaktion hat im Satzspiegel auf manche Erleichterungen für den Leser verzichten müssen, um Platz zu sparen. Es stehen für die Zeitschrift im Jahr 12 000,— DM zur Ver¬fügung. Diese Mittel sind ausreichend für ein Normalheft von 36 Seiten. Die Redaktion drängt auf einen größeren Umfang. Dieses Ziel läßt sich aber nur dann erreichen, wenn sich eine große Zahl von Abonnenten und einige Spender finden. Wer immer eine Er¬weiterung für sinnvoll hält und dieser Zeitschrift beim Start helfen möchte, wird gebeten, Spenden oder Abonnentsgebühr mit entsprechenden Angaben und dem Hinweis auf die Aktionshefte an den Schatzmeister des Versöhnungsbundes zu überweisen.

Die Herausgeber